TORRES DEL PAINE
Das Mekka aller Wanderer.
Chile

 

Einmal vor den „drei patagonischen Zinnen“ stehen und sie im Blau der Lagune wiedergespiegelt sehen. Die unheimliche Schönheit bewundern und die Einsamkeit hier oben genießen. Ganz so ist es nicht, aber fast… ;-)!

Es gibt viele Möglichkeiten, in den Parque Nacionale Torres del Paine zu fahren und hier Wanderungen zu organisieren. Ich habe mich gründlich mit dem Thema vor Ort auseinandergesetzt und Du kannst Dir, mit ein paar meiner Tipps, einige Mühen ersparen.

Das Gebiet der Torres del Paine ist SEHR beliebt bei Wanderern aus der ganzen Welt und Du solltest alle möglichen Organisationen, bezüglich der Tour, entweder vorher schon im Internet machen oder dann vor Ort in Puerto Natales. Ich kann nur empfehlen, soweit wie möglich im Voraus zu planen. Ich habe es selber nicht glauben wollen und musste mich dann vor Ort mit lauter Absagen abgeben, umplanen und Erfindungsgeist an den Tag legen. Also besser ist es, vorher von zu Hause aus schon grob zu planen, vor allem wenn Du in der Hauptsaison kommst, d.h. zwischen Weihnachten und Ende Februar.

Eine wichtige Webseite ist die des CONAF, Cooperazione Nazionale Forestale. Dies sind die Ranger, die den Park pflegen und für alles verantwortlich sind und auch einen Teil der Campingplätze zur Verfügung stellen. In der Geschäftsstelle des CONAF im Busterminal von Puerto Natales kannst Du auch gleich die Eintrittsgebühr für den Park kaufen. Dazu bekommst Du eine recht gute Karte, die eigentlich ausreichend ist um alle Wanderungen zu unternehmen.

Erst mal muss man zum Park kommen, dies geschieht meist von Puerto Natales (hier Tipps) aus. Es gibt hier Busse, v.a. früh morgens, die direkt zum Parkeingang an der Porteria Laguna Amarga fahren (Kosten 20€, Dauer 2,5 Stunden). Der Bus fährt jedoch auch weiter und Du kannst auch am anderen Ende des Parks aussteigen, an der Sede Administrativa Conaf (oder zwischendurch, beispielsweise am Lago Pehoé).

 

Die berühmte Wanderung „W“:

Porteria Laguna Amargas – Hotel Las Torres – Mirador Base Las Torres – Los Cuernos – Campamento Italiano – Mirador Britanico – Paine Grande – Refugio Grey (– Paine Grande)

Sicherlich ist diese Wanderung ein Muss für viele, die nach Patagonien kommen und sie ist wirklich atemberaubend schön.

Man kann diese in beide Richtungen laufen, besser ist es allerdings, von Westen nach Osten zu gehen, damit man nicht ständig Gegenwind hat und die schönen Torres del Paine als letzten Höhepunkt mitnehmen kann. Du brauchst vier bis fünf Tage und kannst entweder zelten oder in Schutzhütten übernachten. Diese Tour solltest Du jedoch weit im Voraus planen, da es in der Hauptsaison, auch mit zeitlichem Puffer, keine Zelt-oder Schlafplätze mehr gibt. Für die Organisation gibt es verschiedene Internetseiten, denn leider gibt es keine einheitliche Seite um dies zu planen. Also nimm Dir Zeit und studiere genau Deinen Weg, Deine Schlafstopps und kontaktiere die einzelnen Zeltplätze oder Schutzhütten. Hier findest Du eine Karte mit den einzelnen Kontaktadressen. Die Tage müssen (leider) genau eingehalten werden.

Wenn Du von Osten nach Westen läufst, sprich von der Porteria Laguna Amargas zum Refugio Grey, dann ist es vorgesehen, das letzte Stückchen bis zum Refugio Paine Grande am Tag danach wieder zurückzulaufen und mit dem Boot über den Lag Pehoé (20€) zu fahren um dort wieder in den Bus zu steigen und zum Ausgang des Parks zu fahren.

Wenn Du von Westen nach Osten läufst, dann kannst du dies in entgegengesetzter Richtung tun. Ich empfehle allerdings, um den Weg nicht zweimal zu laufen, den Bus bis zum anderen Ende des Parks zu nehmen und an der Sede Administrativa Conaf auszusteigen. Hier kannst Du einen Transfer vom Hotel Lago Grey für 18€ organisieren, der Dich direkt zum Gletscher Grey bringt. Von hier startet viermal am Tag ein Katamaran, der Wanderer auf seiner Runde auf halber Strecke am Refugio Grey herauslässt. Der Spaß kostet einiges (zirka 90€), aber Du sparst Dir einen Tag zurücklaufen und hast den spektakulären Gletscher aus der Nähe gesehen.

Die Zeltplätze sind in unterschiedlicher Hand, einige sind privat, andere sind von der CONAF organisiert. Die privaten sind besser und teurer, die von der CONAF sind sehr, sehr einfach. Es gibt unterwegs keinerlei Möglichkeiten, Lebensmittel zu kaufen, deshalb musst Du alles mitnehmen oder in den sehr teuren Hütten einkehren.

Die Schutzhütten vermieten ihre Lagerplätze teilweise für mehrere hundert Euro, also pass auf, wo und für wie viel Du buchst, wenn Du unangenehmen Überraschungen aus dem Weg gehen willst.

 

Der „Circuit“ rund um die Torres del Paine:

Porteria Laguna Amargas – Las Torres – Serón – Dickson – Paso – Rifugio Grey – Paine Grande (- plus das „W“)

Fünf Tage solltest Du einplanen, Du kannst allerdings auch noch weiterlaufen und das „W“ dranhängen, dann hast Du die Torres einmal komplett umrundet in zirka acht Tagen. Fang im Osten an, dann läufst Du einmal herum und hast als letztes I-Tüpfelchen die Torres vor Dir stehen.

Hier gilt das Gleiche wie für das „W“: früh buchen und organisieren. Anhand dieser Karte kannst Du die Hütten oder Campingplätze finden. Alles siehe oben.

 

Alternativen:

Wenn Du nicht die gesamten Wandertouren machen möchtest, zu wenig Zeit hast oder, so wie ich, zu spät mit der Planung dran bist und keine Plätze mehr bekommst, musst Du keinesfalls auf die Torres verzichten, ganz im Gegenteil! Bei mir hat sich alles noch zum Besten gefügt und ich habe, so wie es mir im Nachhinein erscheint, sogar etwas Schöneres draus machen können, als mich auf die überfüllten Wege und Campingplätze zu begeben.

Du kannst entweder mit dem öffentlichen Bus von Puerto Natales früh morgens in den Park fahren (siehe oben) und auch wieder zurück nach Puerto Natales am Abend. Alternativ kannst Du dir ein Auto oder Camper mieten und im Park selber herumfahren und hier sogar übernachten. Diese Option habe ich gewählt, und war begeistert! Anfahrt zirka 2 Stunden.

Ich habe einen kleinen Transporter in Puerto Natales für drei Tage gemietet, der zu einem Mini-Camper umgebaut war (in Puerto Natales bei RECASUR).


 

Hier ein Kostenbeispiel für 3 Tage:

Auto: 70.000 CLP , geteilt durch 2 Personen: 35.000 CLP für 3 Tage= 105.000 CLP

Eintritt in den Park: 21.000 CLP

1 Nacht auf dem Campingplatz: 11.000 CLP

2 Nächte bei den Rangern an den Eingängen des Parks: 0 CLP

Bootstour Paine Grande: 30.000 CLP

Einkauf Lebensmittel: 30.000 CLP

Benzin: 30.000 CLP, geteilt durch 2 Personen = 15.000 CLP

Total:212.000 CLP = 280€.

Fazit: mit knapp 300€ in drei Tagen kannst Du ein wunderschönes Erlebnis im Nationalpark organisieren, bei dem Du die schönsten Wanderungen des berühmten „W“s machen kannst, ohne jedoch inmitten der Massen übernachten zu müssen. Und die Blicke von hier aus sind einfach unschlagbar!

 

Wunderschöne Straßen:

Im Park gibt es tolle asphaltierte Wege mit Fotostopps, die einfach umwerfend sind, so z.B. zwischen der Sede Administrativa Conaf und der Zona Pudeto und die Strecke am Lago Sarmiento entlang bis zur Porteria Lago Sarmiento. Auch außerhalb ist der Weg von der Porteria Laguna Conaf über den Wasserfall Rio Paine bis zur Laguna Azul sehr schön und zurück dann Richtung Puerto Natales direkt am Lago Sarmiento vorbei.

 

Übernachtungsmöglichkeiten im Park:

Außer ein paar völlig überteuerten Hotels im Park gibt es einen herrlichen Campingplatz, wo Du zelten kannst oder mit dem Auto parken um zu übernachten: Camping Pehoé, zirka 15€ pro Person. Einer der wohl schönsten Schlafplätze Patagoniens mit Blick auf das gesamte Bergmassiv! Und der einzige Campingplatz im Park, für den man keine Reservierung braucht.

Alternativ dazu darf man, nach Anfrage vor Ort, im Park an den Eingangsbereichen im Auto oder Camper schlafen, d.h. an der Sede Administrativa Conaf, an der Porteria Lago Sarmiento und an der Porteria Laguna Amarga. Alle bieten eine Toilette und die Ranger sind sehr freundlich. Aber bitte vor Ort fragen!

Etwas südlich von Pudeto liegt wunderschön auf einer winzigen Insel das einfache Hotel Hosteria Pehoé, zu dem man über eine schmale Brücke gelangt. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Berge und die Seen und ist mitten drin im Märchenland. Übernachtung pro Person zirka 100€.

 

Tageswanderungen:

Lago Grey:

Zum Lago Grey kommst Du entweder mit Deinem Auto oder mit dem Shuttle vom Hotel Grey (siehe oben). Anfahrt über die Sede Administrativa Conaf und von hier noch nochmal eine halbe Stunde. Hier kannst Du eine etwa eineinhalbstündige kleine Wanderung zum Mirador Grey unternehmen, der Dich direkt vor den Gletscher bringt und sich wirklich lohnt! Viel Wind bläst hier aber die Aussicht ist fantastisch! Alternativ gibt es eine sehr schöne Wanderung bis hinauf auf den Mirador Ferrier, zirka 5 Stunden hin und zurück und 600 Höhenmeter.

Zona Pudeto:

Hier kannst Du mit dem Bus oder natürlich mit Deinem Privatauto halten. Auf die kleine Halbinsel führt ein Spazierweg, der erst an einem Wasserfall, dem Salto Grande Rio Paine, vorbeikommt, und dann zum Mirador Cuernos führt. Auch hier bist Du zirka zwei Stunden hin und zurück auf leichten Wegen unterwegs. Der Aussichtspunkt ist sehr schön. Am kleinen Hafen gibt es eine Einkehrmöglichkeit.

Paine Grande:

Von Pudeto aus kannst Du das Schnellboot nehmen und nach Paine Grande hinüber fahren um Anschluss an die Wanderwege des „W“ zu haben. Es fährt mehrmals täglich (das erste Boot um 9 Uhr und das letzte zurück um 18 Uhr) und kostet hin und zurück zirka 40€. Von hier kannst Du in beide Richtungen laufen: entweder zum Rifugio Grey oder zum Campamento Italiano und weiter.

Ich bin in Richtung Osten gelaufen, vorbei am Campamento Italiano (das zum Fürchten!!! ist, absolut unempfehlenswerter Campingplatz) zum Mirador Frances. Leider reicht die Zeit kaum aus, um noch die weiteren zwei Stunden zum Mirador Britanico auf- und wieder abzusteigen und den Blick auf die Torres von hinten zu haben. Informiere Dich gut über Bootszeiten und kalkuliere den Rückweg bei der Wanderung ein! Die Wanderung geht erst flach durch abgebrannte Wälder entlang der Seen um dann anzusteigen mit fantastischer Aussicht auf die Seenwelt. Zirka 7 Stunden Wanderung.

Torres del Paine:

Um den bekanntesten Aussichtspunkt des ganzen Parks zu erreichen und direkt vor den „drei patagonischen Zinnen“ zu stehen, kannst Du entweder mit dem öffentlichen Bus von Puerto Natales bis zur Porteria Laguna Amarga fahren und von dort aus starten oder mit dem Auto bis zum Hotel Las Torres vorfahren und Dir die Stunde Fußweg sparen. Von hier kannst Du den Weg nicht verfehlen, immer den Massen nach! Ja, leider, ist es hier recht voll. Am Hotel vorbei steigt man dann rechts an und kommt durch schöne Wälder vorbei an weitreichenden Schluchten bis der wirkliche Anstieg anfängt und über Felsen hinauf geht bis zum fantastischen Mirador! Hier kannst Du Dir ein windstilles Plätzchen in den Felsen suchen und einfach die Aussicht auf die Türme hinter der blauen Laguna genießen (und Dir vorstellen, wie schön es wäre, wenn man hier alleine wäre ;-)! Trotz der vielen Menschen war es für mich ein unvergessliches Erlebnis! Zurück geht es auf dem gleichen Weg, hin-und zurück zirka 8 Stunden, 700 Höhenmeter.

Noch ein persönliches Wort zu der Organisation im Park. Anfänglich habe ich es fast für ein bisschen Anstellerei gehalten, diesen Park so vehement abzuschotten mit teuren Eintrittsgeldern und komplizierten Buchungsmöglichkeiten für die Mehrtageswanderungen. Außerdem sind die Kosten natürlich übertrieben und grenzen fast ans Unverschämte. Andererseits kann ich mit meiner Erfahrung im Park bestätigen, dass die Wächter ihre Arbeit sehr gründlich tun, auf alles bedacht sind, streng aber sehr freundlich und hilfsbereit sind und sich wirklich mit aller Mühe darum kümmern, dass hier kein Massentourismus aufkommt. Und das ist es ja letztendlich, was wir alle wollen: eine Natur, die noch nach Natur aussieht, nicht zu viele Menschen und kein Dreck, der liegen bleibt. Also: alle Hochachtung vor der guten Organisation und wenn man richtig plant, sind die Torres del Paine mit Sicherheit ein Erlebnis, das man nie vergessen wird, gerade wegen der unberührten Natur, die man hier antreffen kann.

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