PRÄKOLUMBISCHES MUSEUM. SANTIAGO DE CHILE.
Eine fantastische Reise in die Vergangenheit.

Dieses kleine große Museum sollte man unbedingt besuchen wenn man (auch nur für ein paar Stunden) in Santiago ist. Eigentlich reicht es völlig aus, den antiken Teil „Chile bevor es Chile wurde“ im unteren Geschoss des Gebäudes zu besichtigen.

Es handelt sich hier um die Zelebration der ersten Völker, die diese Gebiete, die heute den Namen Chile tragen, bewohnt haben. Wir reisen hierzu bis zu 14.000 Jahre in die Vergangenheit zurück!

Die Ausstellung befindet sich in einem einzigen großen Raum mit einer tollen Auswahl der nur schönsten Exemplare, aber auch mit einer konzentrierten Fülle um das Verständnis dieser primitiven Völker gut zu vermitteln. Sie hat mich durch die Liebe zum Detail auf die damaligen Volksgewohnheiten neugierig gemacht.

Hier ein paar generelle Eindrücke bevor ich einige ausgewählte Kuriositäten vorstelle.

 

Mumifizierung, weit vor den Ägyptern:

Die Fischer der Chinchorro mumifizierten ihre Kadaver schon um 6.000 v.Ch., d.h. gut 3.000 Jahre bevor es die Ägypter taten! Sie entfernten die Muskeln und die Eingeweide und tauschten diese mit kleinen Ästen, Federn, Leder und Wolle aus. Der Körper wurde dann mit einem Mantel von Ton bestrichen und den Kopf schmückten menschliche Haare. Hier sehen wir einen Kadaver eins Neugeborenen.

 

Eine sehr raffinierte Art, Drogen zu konsumieren:

Mit schön verzierten Instrumenten wurden halluzinierende Mittel konsumiert. Das Einatmen von psychoaktiven Pulvern war ganz normal unter den damaligen Schamanen. Die Substanz wurde in einem Mörser pulverisiert und dann auf ein Täfelchen gestreut. Mit einer Art dekoriertem Strohhalm nahm der Schamane das Pulver durch die Nase auf.

 

 

 

Schicke Handtaschen für die Götter:

Hier sehen wir wunderschöne Taschen, gefunden auf prähispanischen Friedhöfen. Sie wurden benutzt, um den Göttern Opfer darzubieten und beinhalteten häusliche Gegenstände, Kokablätter und landwirtschaftliche Produkte.

 

Die ersten Taschenrechner:

Die „quipus“, mit ihren unzähligen Knoten wurden von den Inkas als Vorreiter der heutigen Taschenrechner benutzt. Die Zahleninformation bestand aus der Anzahl der Knoten, des Knotentyps und dessen Position im Faden. Dieser große quipu zeigt stolze 586 Fäden auf verschiedenen Niveaus mit einer Gesamtsumme von 15.024 Informationen. Seine Bedeutung haben wir bis heute noch nicht enträtseln können!

Das Yupana dagegen ist ein Schachtelsystem, in das Steinchen gesetzt wurden um Berechnungen in einem komplexen numerischen System zu machen, das noch heute in manchen mathematischen Schulen Perus benutzt wird.

 

Zwei Reptilien formen die Welt. Cai Cai & Tren Tren:


Die Mapuche machten den Ursprung der Welt am Kampf von zwei Reptilien aus: Cai Cai, das die Gewässer beherrschte und Tren Tren, das die Erde kontrollierte. Cai Cai war genervt, weil die Menschen die Reichtümer, die vom Meer kamen, verachteten und hat deshalb das Wasser mit seinem Schwanz aufgewühlt und somit enorme Überschwemmung herbeigerufen. Tren Tren, der die Bewohner seiner Erde verängstigt vorfand, verordnete den Hügeln sich zu erheben um die Macht Cai Cais zu entschärfen. Dieser Kampf zwischen den beiden Reptilien, zwischen Erd-und Meerbeben hat die heutige Form des chilenischen Gebietes geschaffen. Die Schlange und die Eidechse stehen für die Auseinandersetzung dieser zwei Mächte.

 

Das Weib mit dem Loch im Bauch:

Diese kleine Steinskulptur stellt die „mujer“, das Weib dar. Es ist ein ganz normaler Gebrauchsgegenstand, der Mörser einer jeden Küche. Aber es zeigt darüberhinaus die weiblichen Genitalien und eine Aushöhlung im Bereich des Bauches, die für die Fruchtbarkeit steht. Der Mörser, der bis heute benutzt wird, stellt eine Verbindung zur einer der ältesten weiblichen Aktivitäten einer Frau dar, die Hausarbeiten.

 

 

 

Die großen Totenwächter. Die Chemamüll:

Diese beeindruckenden Statuen waren einst auf den Gräbern der Mapuche aufgestellt. Sie spiegelten den Geistescharakter derer wider, die gestorben waren und halfen ihnen auf ihrem Weg in eine andere Welt. Die Häuptlinge gingen gen Orient um über den großen Vulkanen zu wohnen. Der Rest ging nach Westen, um auf der anderen Seite des Meeres bittere Kartoffeln zu essen.

 

Die ersten Kalender:

Verschiedene Werke, sowie hier die Teppiche, zeigen die Zeit im Laufe des Jahres. Dieses wurde nicht in Monate oder Tage unterteilt, sondern in Perioden der jährlichen Aktivitäten. Da war die Zeit der Saat und der Ernte, die Zeit für Feste und Hochzeiten, die Regenzeit. Viele weitere Unterteilungen, die den andischen Völkern sehr wichtig waren, können wir hier ganz leicht beobachten.

 

 

 

Die visuelle Poesie:

Die andische Poesie ist nicht geschrieben, sondern gemalt. Man hört sie nicht, sondern sieht sie. Auf einer Keramikvase beispielsweise, wird ein Bild wiederholt und dabei nur minimal verändert. Diese poetische Technik strebte nicht den Reim an, sondern die Wiederholung einer Idee oder eines Gefühls.

 

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