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Wie ein VW Caddy zum kleinsten Camper der Welt wird

 

Ich habe es dann doch geschafft, die COVID-Zeit recht gut zu nutzen. Lange schon hatte ich den Traum, mir einen Wagen in einen kleinen Camper auszubauen und nun kam die auferlegte Auszeit wie für mich geschaffen. Das Geld hierfür hatte ich mir in den letzten Jahren zusammengespart und anstatt Trübsal zu blasen, war es nun an der Zeit, mein Sparschwein zu schlachten und mich in die Suche nach einem geeigneten Wagen zu stürzen. 

Meine Wahl fiel auf den VW Caddy, nicht zu groß, denn ich muss in den engen italienischen Städten nicht nur durch die Gassen fahren, sondern auch parken können (und jeder, der dies schon mal versucht hat, weiß, dass man eigentlich einen der alten Cinquecentos oder Minis hierfür bräuchte)! Dennoch sollte er nicht zu winzig sein, denn ein bisschen Komfort brauche auch ich, mit meinen fast 180cm Größe. Den VW-Transporter hatte ich damit ausgeschlossen. Außerdem sollte er mit Metano, also Erdgas betrieben sein, in Italien ist das Benzin sehr teuer, das Erdgas dagegen weitaus preiswerter als im Vergleich zu Deutschland. Den Caddy gibt es dazu sehr häufig mit Erdgas-Antrieb.


Ich hatte den Wagen recht schnell ausfindig gemacht: Baujahr 2008, 150.000km, sehr gut in Schuss. Den ganzen Winter über habe ich YuoTube-Tutorials geschaut, Pinterest und Instagram durchwühlt, bis ich mir schließlich überall genau das herausgepickt hatte, was ich für meinen Plan brauchte.

Das A&O bei der ganzen Geschichte ist die präzise Planung: Also erstens genau wissen, was man denn eigentlich möchte, und dann eine sehr penible Abmessung im Inneren des Wagens. Ich wusste, dass ich auf jeden Fall mindestens zwei Sitze der Rückbank beibehalten wollte, trotzdem viel Stauraum und außerdem eine Sitzmöglichkeit mit Tisch brauche, um im Inneren des Wagens kochen und arbeiten zu können und, wichtigstes Merkmal, das größtmögliche Bett bauen könnte. 

Das erste sind die Kisten. Diese müssen geräumig sein, praktisch zu öffnen und v.a. sollten sie dem darauf-ausziehbarem Bett ein solides Gerüst sein. Ich habe drei davon ins Auto gebaut. Das Holz habe ich mir im Baumarkt zuschneiden lassen. Die Kisten sind exakt so hoch, wie die umgeklappte Rückbank, sodass alles eine gleichmäßige Fläche bildet. In den Kisten sind Küchenutensilien, haltbare Lebensmittel, Schlafzeug, Picknick-Decken, Hängematte und technischer Schnick-Schnack untergebracht. 

Das zweite ist das Bett. Hierfür habe ich drei gleichgroße Platten zuschneiden lassen, die hinten exakt die Breite des Kofferraums erreichen. Diese habe ich mit Funieren verbunden, sodass man die drei Platten wie eine Ziehharmonika auffalten kann. Das Bett ist insgesamt 1,10×2,00m groß. 


 

Die Kopfteile des Bettes verbinde ich mit Kordeln und Knoten um die Kopfstützen der Vordersitze. Das habe ich mir in den wunderbaren kaufbaren Vorlagen abgeguckt. Wenn man zwei Knoten macht, dann kann man die Rückbank in zwei verschiedenen Positionen aufbauen, also flach zum Schlafen und diagonal, zum Lesen. 

Eine echte Herausforderung waren die Polster. Den 10 cm-hohen Schaumstoff habe ich mir in drei gleiche Platten zuschneiden lassen und diese dann mit Baumwollstoff bezogen. Auch hier war You-Tube eine große Hilfe. Aber auch die Standleitung per Telefon mit der Mama. Und siehe da: Wenn man den mütterlichen Rat befolgt und alle Teile sehr akkurat zuschneidet, dann passt am Ende auch der Schaumstoff hinein, sogar mit Reißverschlussnaht. 

Wenn das Bett einmal komplett ausgezogen ist, dann schläft man hier fast wie zu Hause. Ich habe immer gute Federkissen und Schlafsäcke dabei. Zum Beleuchten von innen benutze ich batteriebetriebene LED-Lampen und Weihnachtslichterketten. Das macht alles noch gemütlicher. 

Natürlich sollte man das Auto von innen abdunkeln, denn auch noch so getönte Scheiben nützen in der Nacht nichts, wenn drinnen das Licht brennt. Hierfür habe ich schwarzen dichten Stoff gekauft, diesen genau an jedes jeweilige Fenster angepasst und zugeschnitten und in jeder der vier Ecken einen winzigen, aber sehr potenten Magneten eingenäht. Das ist zwar viel Arbeit, funktioniert jedoch perfekt und in zwei Minuten habe ich das gesamte Auto verdunkelt. 

Der Ausbau ist viel Kniffel-Arbeit, man braucht Geduld und Zeit. Es kann sich jedoch jeder daran machen, auch ohne große handwerkliche Kenntnisse besitzen zu müssen. Das Wichtigste ist das anfängliche Planung. Ich habe alles mit den einfachsten Utensilien gebaut. 

Das Auto selber hat mich 7.400€ gekostet, der Ausbau zirka 800€. Hier sind allerdings auch die Küchenutensilien, Wasserbehälter, technische Geräte wie kleiner Staubsauger und Anlasskabel mit inbegriffen. 

Gerne könnt mich kontaktieren, wenn auch ihr einen Ausbau plant und Tipps braucht. 

Und danke, Marco Ferraro für die schönen Fotos ;-).

 

1 Comment
  • Ossian
    Posted at 13:57h, 29 Juni Antworten

    🌞🌷❤️

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