BURKINA FASO
Das Land der großen Lebensfreude.
Winter 2011/12.

 

Aus dem leider schon von den ersten Kriegszeichen gebeutelten Mali (siehe Artikel MALI), reisen wir vorzeitig nach Burkina Faso um eventuell auftretenden Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen.

Wir organisieren einen Wagen und lassen uns von Mali bis nach Ouahigouya im Norden Burkinas bringen. Ein großer, tiefergelegter Mercedes mit abgedunkelten Scheiben fährt uns stundenlang durch das öde Land, das nur hin und wieder von einzelnen kleinen Dörfern unterbrochen ist, die sich entlang der Straße schlängeln, bis wir endlich an die Grenze kommen.

Hier betreten wir ein so surreales Terrain, dass es mir scheint, als wären wir von Kafka persönlich eingeladen worden um in einem seiner Romane die Hauptrollen zu spielen: die geschlossene Schranke, die uns aufhält, steht im Nichts und das kleine Kontrollhäuschen hätte einen Anstrich schon vor Jahrzehnten gebraucht. Nun gut, wir gehen hinein, um das „Visa on arrival“ in unseren Pass stempeln zu lassen. Die Offiziere, es sind DREI!, sitzen hinter dem feinsäuberlich aufgeräumten Schreibtisch, als hätten sie seit Tagen nur auf unsere Ankunft gewartet und tun dann rasch so, als wäre es an der Tagesordnung, hier westliche Touristen zu empfangen. Das Prozdere dauert eine Ewigkeit, eben da wir wahrscheinlich die einzigen Touristen seit langem hier sind und die Offiziere genießen es, uns im höchsten Maße absurde Fragen zu stellen. Kafka eben. Wir haben keine Eile, gehorchen brav jeder Anweisung und beantworten ihren Fragenkatalog. Meinen deutschen Pass anschauend, schiebt mir einer der Beamten schmunzelnd eine Ausgabe der „Zeit“ hinüber, die viele Jahre alt ist und vom Beamten, der sie von einem deutschen Touristen geschenkt bekommen hat, mit aller Sorgfalt und großem Stolz aufbewahrt wird.

Ouagadougou, die Hauptstadt Burkinas, ein Agglomerat von Zementbauten, die weder Stil noch urbane Struktur haben. Vergeblich suchen wir nach Interessantem von kulturellem Wert, aber unsere, auf den ersten und oberflächlichen Blick, vergebliche Suche wird uns nicht nur hier in der Hauptstadt auf völlig neue Wege bringen: denn die Kultur in diesem Land ist nicht zu sehen, zu besichtigen mit Eintrittsgeldern und Bildern an den Wänden, sie ist zu fühlen!

Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt kann sich rühmen mit einer Bevölkerung, die herzlicher nicht sein könnte. Jeder Burkinabè, so wie er hier genannt wird, strahlt eine Lebensfreude aus, die ansteckend ist; eine Vitalität, die auch nicht nur den geringsten zwiespältigen Schatten zu verbergen hat.

Burkina Faso heißt wörtlich übersetzt „Vaterland der ehrenwerten Menschen“; ein Name, der erst seit 1984 besteht, vorher hieß das Land Obervolta, französischer Titel während der Kolonialzeit. Seit 1991 ist Burkina demokratisch, und im Angesicht dessen, dass auch Burkina zu einem der ärmsten Länder der Welt gehört, kann es eine gewisse Stabilität aufweisen, geprägt durch den kulturellen Reichtum und das friedliche Zusammenleben der vielen verschiedenen Ethnien und damit verbundenen Sprachen. Auch hier ist die Amtssprache Französisch, wenn sie auch nicht von der gesamten Bevölkerung beherrscht wird. Das Land hat 20 Millionen Einwohner, von denen zirka sechzig Prozent Muslime sind, sie üben eine undogmatische Variante des Islams aus, die traditionelle Religionen mit einbezieht. Die restlichen Religionsrichtungen sind hauptsächlich im Christentum und in traditionellen Glaubensvorstellungen zu finden. Die Hauptethnie Burkinas ist die der Mossi, die auch heute noch das Sagen in der Politik hat.

Die Burkinabè sind Künstler. Jeder hat seine eigene Nische gefunden, viele sind Maler, Bildhauer, werkeln ständig an etwas herum in kleinen improvisierten Ateliers oder einfach unter freiem Himmel. Ich fahre mit einem jungen Künstler, einem Maler in einen für Touristen gebauten Kulturpark und staune über die Organisation! Hier gibt es viele kleine Galerien, die Künstler und Kunsthandwerk ausstellen: es tummeln sich naive Bildmotive, die das Landleben widerspiegeln oder Landschaftsmalerei, mit vielen Sonnenuntergängen und der roten Erde, so typisch für Burkina, Skulpturen aus Holz, winzig klein oder in Lebensgröße darstellende Tiere, Masken ecc.

Wer nicht malt oder den Meißel wetzt, der macht Musik, baut seine eigenen Instrumente oder tanzt und singt. Fast jeder hat diese musische Gabe und es wird uns eine Wonne sein, durch das Land zu reisen, die Burkinabè kennenzulernen und sich von ihnen mitreißen zu lassen. Ja! DIES ist die wirkliche Kultur!

Wir fahren gen Westen und unsere erste Station ist Bobo-Dioulasso; zweitgrößte Stadt Burkinas und Drehkreuz zwischen Mali und der Elfenbeinküste. Wir finden eine wunderbare Unterkunft im Hause eines Franzosen, der hier schon einige Jahre lebt und ein paar Zimmer in seiner kleinen und gemütlichen Villa vermietet. Kunstgegenstände, Skulpturen und Bilder säumen die Zimmer und das große Wohnzimmer beherbergt häufig ein reges Leben: die ‚locals‘ sind Freunde des Hauses und animieren diesen wunderbaren Ort gelegentlich mit Musik.

Wir besichtigen die Stadt, die faszinierende Moschee, wieder im Stil der sudanesischen Lehmarchitektur erbaut und das Viertel der Schmieden, wo an jeder Hausecke der Amboss steht und das Feuer im Ofen brennt um mit den großen Werkzeugen das Eisen zu formen. Laut und heiß ist es hier, die Menschen sind keine Zuschauer gewöhnt und haben auch eigentlich zu viel zu tun als dass sie für uns Vorführungen ihrer Handwerkskunst zeigen möchten.

Weiter geht’s, noch tiefer in den Westen, nach Banfora: unsere Basis und Station für diverse Ausflüge.

Zu sehen gibt es hier nicht viel, Flachbauten, wenn überhaupt, eigentlich nur Baracken und viele Stände, die entlang der roten Straßen Obst und Gemüse verkaufen. Dafür haben wir die einmalige Gelegenheit, mit den Burkinabè in direkten Kontakt zu treten. Wir brauchen gar nichts dazu beizutragen: sie kommen zu uns, suchen uns im Hotel auf, sprechen uns auf der Straße an und alle, wirklich alle, laden uns ein, zu sich nach Hause zu kommen um gemeinsam Musik zu machen oder einfach zu plaudern. Wir sind sprachlos über die Freundlichkeit und Offenheit, die uns so selbstverständlich entgegengebracht wird. Da, wo wir „kultivierten Westler“ immer einen dubiosen Hintergedanken erwarten, entdecken wir reine Neugier auf das Fremde. Die ärmsten Menschen dieser Welt haben das schönste, unentwegte und ehrlichste Lächeln auf den Lippen mit einer immerwährenden Energie, den Tag neu zu erfinden. Es tut gut, solche Mentalitäten zu treffen, erleben zu dürfen und ich nehme dies als eine der größten Lehren meines Lebens an.

Wir mieten uns Mopeds und fahren gemeinsam mit einem Rasta aus Banfora, unser Guide für diesen Tag, in die nahegelegenen wunderschönen landschaftlichen Höhepunkte Burkinas! Die Felsformationen von Fabedougou, die aus dem Boden emporragen, als wären sie Gemüse, das hier wächst; die Wasserfälle von Karfiguela, in denen sich das einheimische Volk zum Baden trifft, was gibt es Schöneres?; und der Téngrélasee, auf dem wir mit einem kleinen Kahn herumschippern und die Nilpferde aus angemessener Distanz zwischen den Seerosen spielen sehen. Dazwischen, und überhaupt überall, ist es leuchtend rot: die Erde schimmert, von der Sonne und Hitze angespornt, noch intensiver, noch wilder.

Wir verbringen Weihnachten an einem der entlegensten Ort der Menschheit, so kommt es mir vor. Kleine Cottages reihen sich um einen Platz; ein Bett, ein Moskitonetz und ein Hocker reichen aus, um diesen Ort heimelig zu machen. Die Badezimmer bestehen aus einer recycelten Tonne, die aus dem Brunnen per Eimer mit Wasser gefüllt wird, man wäscht sich im Freien und nur um die Toilette, das Loch in der Erde, ist eine kleine Mauer gebaut. Wunderbar ist es hier, so einsam und weit weg von allem. Dass wir die einzigen Gäste sind, muss ich nicht erwähnen. Unser Festschmaus besteht aus einer Pizza, die eigens für uns gebacken wurde, unglaublich gut, hier und jetzt! Die Jungs, die sich um uns kümmern, veranstalten eine kleine Party zu Weihnachten und wir sehen, wie sie aus einer Autobatterie eine Stromstelle basteln und ihren kleinen Ghettoblaster daran anschließen um Musik zu hören und tanzen zu können. Der Einfallsreichtum der Afrikaner erstaunt mich immer wieder!

Wir reisen weiter zu den Pics de Sindou, eine weitere landschaftlich fantastische Sehenswürdigkeit Burkinas. Im Morgengrauen besuche ich die Felsen und betrete ein Land, das mir so fern und doch so nah erscheint. Ich fühle mich auf eine fast vertraute Weise wie in meinem eigenen Garten. Vielleicht ist dies das Gefühl, so oft in der Weltliteratur erwähnt, das mit Wörtern wie Sehnsucht, Mutter Erde und Wiege der Menschheit umschrieben wird! Wir alle haben diesen Ursprungskern, der uns mit dem Großen Ganzen verbindet noch tief in uns stecken und ich kann ihn hier deutlich spüren. Die Sicht geht weit ins dürre Land hinein und in der Morgenröte setze ich mich auf einen der Felsen und bestaune einfach nur die Natur, die ich hier in Afrika so stark fühlen kann wie nirgends sonst auf der Welt.

Wir wollen nach Niansogoni, ins letzte Zipfelchen Burkinas, 37 Kiometer von Sindou entfernt. Für die Erdstraßen, ohne öffentliche Verkehrsmittel, mieten wir einen Wagen mit Chauffeur und fahren in dieses abgelegene Nest. Was uns erwartet übertrifft beinahe, wenn das überhaupt möglich ist, die Schönheit der Dogonländer in Mali. Ein noch fast in Stand gehaltenes Dorf, das in den Felsen hineingebaut ist, gegründet im 14. Jahrhundert und erst 1980 von der Bevölkerung verlassen. Nur wenige Menschen leben noch hier, im kleinen Dorf unterhalb des Felsens, einer von ihnen ist Jerome Traore, der uns hoch in die verlassen Stätte führt. Er erzählt mit überschwänglichem Enthusiasmus und strahlenden Augen die Geschichte Niansogonis und wieder einmal habe ich dieses Gefühl, den Mittelpunkt der Welt genau dort finden zu können, wo Menschen leben, die einfach glücklich sind!

Das Schöne an Afrika, speziell an Burkina Faso ist das Fahren durch die Landschaften. Es ist wunderbar diese unglaublich großen Weiten mit dem Auge zu ertasten, die roten Straßen entlang zu holpern und die Bevölkerung zu beobachten, Kinder in frisch gepflückter Baumwolle spielen zu sehen und hier und da anzuhalten und immer wieder herzlichst empfangen zu werden (nie ohne die immer wieder auftretende, obligatorische Autopanne, die sich dann jedoch stets schneller als befürchtet richten lässt, die Afrikaner sind darin Weltklasse!).

Von Banfora aus nehmen wir einen öffentlichen Kleinbus und fahren nach Gaoua, an der Grenze zu Ghana. Der Weg ist mühsam, wir sind eingeengt zwischen unzähligen Menschen, Gepäck, Tieren, lebenden und leblosen, und auch das Dach ist gut besetzt, das sehe ich an den baumelnden Beinen vor meinem Fenster. Die Strecke ist lang, viel länger als erwartet, für die 200 Kilometer brauchen wir einen ganzen Tag. Als wir aus dem kleinen Bus steigen, müssen wir über uns selbst lachen: wir sehen aus, als hätte man uns mit Farbe angesprüht wie rote Pandabären: da wo der Mundschutz oder das Kopftuch in weiser Voraussicht aufgesetzt war, scheint die Haut-und Haarfarbe gerade noch durch. Diese rote Erde habe ich heute noch in meinem Rucksack stecken, aus meinen Ohren, Augen und von anderen Körperteilen habe ich sie nach mehrmaligem Duschen entfernen können.

Gaoua hat an sich, wie so vieles in Burkina, nichts an offensichtlichen Sehenswürdigkeiten zu bieten: eine nicht unbedingt schöne Stadt mit einem einzigen Hotel, dass seine besten Jahre hinter sich gelassen hat und nun wie eine Karikatur seiner selbst wirkt. Die Bar ist jedoch gut bestückt und der libanesische Besitzer verwöhnt uns einzige Gäste mit hervorragendem Pastis.

Nach einer etwas ruppigen Ankunft und einer Nacht, die wir provisorisch bei den Nonnen verbringen, da wir unser Hotel noch nicht gefunden hatten, treffen wir auf einen Mann, der unseren Aufenthalt in Gaoa prägen wird: Sie Palenfe. Ein Guide, Filmemacher und Bildhauer, allem voraus jedoch eine wunderbare Person! Es ist selten, einen Menschen wie ihn überhaupt treffen zu können und wir haben das Glück mit ihm hier, am anderen Ende der Welt in Kontakt zu treten und verbringen einige schöne, sehr interessante Tage zusammen. Er ist es, der uns in die geheimnisvollen Riten der Landbevölkerung einweisen wird.

Gaoua ist eine kleine Stadt mit sage und schreibe 56 Dörfern, welche dem Landstrich ihr so eklektisches Bild verleihen. Jedes Dorf ist eigen und hat seine ganz besonderen Merkmale, die sich in der Lebensform und in den Ritualien des Alltags widerspiegeln. Überall wird Kunsthandwerk hergestellt: Korbflechterei, Eisenskulpturen, Malerei, Holzgegenstände u.v.m. werden hier produziert.

Si Palenfe führt uns herum und, wie kein anderer, erklärt er uns detailliert wie die Menschen hier leben und denken. Wir kommen an ein großes Haus, ein Sukala: ein Anwesen aus Lehm, gebaut wie eine Burg, das nur wenige Türen und Fenster aufweist. Wir befinden uns hier an der Grenze zu Ghana im Zentrum der Lobi, vorherrschende Ethnie in dieser Gegend. Die Lobi sind sehr verschlossen, leben zurückgezogen und konnten sich wahrscheinlich deshalb die noch heute originale und traditionsreiche Lebensweise erhalten. Wir dürfen mit unserem Guide das Haus betreten und die Räumlichkeiten besichtigen. Hier lebt eine große Familie, d.h. ein Hausherr, der mehrmals verheiratet ist. Die Frauen und Kinder wohnen hier gemeinsam unter einem Dach und müssen miteinander auskommen. Jede Frau hat ihre eigene Küche, in der sie Feuer macht und für ihre Kinder kocht. Abends, wenn der Mann nach Hause kommt, erzählt ihm die Frau in einem Singsang, am Herd stehend, was am Tage vorgefallen ist, auch Episoden, die unter den Frauen geschehen, die nicht immer friedlich miteinander leben, was verständlich ist. Jeder Raum ist bestückt mit Terrakotta-Schüsseln, die aufeinander getürmt werden: je höher diese Türme sind um so reicher ist die Frau, meist sind die Schüsseln die Mitgift ihrer Familie. Von den Zimmern aus gelangt man über eine kleine Holztreppe aus einer Luke, die einzige Öffnung des Raumes, aufs Dach, wo wieder jede Frau, klar getrennt voneinander, ihre Trockenterrasse für Getreide, Samen und Wurzeln zu pflegen hat. Man sieht genau, wer hier ordentlich arbeitet und sollte es Probleme, Neid oder gar Hass untereinander geben, dann wird das Orakel befragt: ein kleiner Altar auf dem Dach ist gesäumt mit toten Tierchen und Gestrüpp und Sie Palenfe erklärt uns, dass hier Versprechungen und Flüche unter geheimen Riten ausgesprochen werden, die dann meist auch eintreten.

Die Frauen sind verschlossen und hier schenkt uns keiner ein Lächeln, nur die Kinder kommen neugierig auf uns zu.

Wir fahren weiter und auf dem Weg ins nächste Dorf erfährt unser Guide dass die Bewohner ausgeflogen sind um einer Beerdigung beizuwohnen. Er lädt uns vorsichtig ein mitzukommen und wir akzeptieren mit kindlicher Aufgeregtheit. Wir bekommen strenge Anweisungen, wie wir uns zu verhalten haben. Was wir dort erleben ist eher ein Dorffest als eine Trauergemeinde: die Leiche des Verstorbenen liegt aufgebahrt und geschmückt mit Blumen und Gold auf einer Erhöhung und jeder muss dreimal um ihn herumgehen, tanzend und singend. Der Alkohol fließt in Strömen und die Menschen sind beschwipst und ausgelassen. Die Frauen fordern uns zum Tanze auf und plötzlich finde ich mich in einer surrealen Situation wieder, in der ich auf einer Beerdigung mit überschwänglichen vollbusigen tiefschwarzen und bunt herausgeputzten Frauen zu schallender Musik unter der gleißenden afrikanischen Sonne tanze. Eine herrliche Erfahrung.

Auf dem Rückweg halten wir bei Sie Palenfe und er zeigt uns seine Skulpturen: aus Holz, Leder und pflanzlichen Materialien wir Schnüren oder Samenschalen zusammengestellte schamanenartige Gebilde. Sie sind so außerordentlich gut, dass ich eine Skulptur kaufe. ‚Der Reisende‘ steht heute auf einem kleinen Sockel bei mir in der Wohnung und ich erfreue mich jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeigehe, nicht nur an seiner Schönheit und Magie, die er ausstrahlt, sondern auch an den wunderbaren Erinnerungen, die er an diese außerordentlichen Tage in mir hervorruft.

Unsere Reise nimmt hier in Gaoua, ihrem Höhepunkt, ihr Ende und wir machen uns auf den Weg zurück nach Bamako in Mali; 700 Kilometer Afrika aus dem Autofenster!

In Bamako besuchen wir den Markt, ein unglaublich großer Markt und Schauplatz aller nur erdenklichen Farben, Gerüche, Geräusche, Geschrei usw. Es ist ein buntes Treiben und ich erstehe nach langem Handeln Stoffe, so wie sie die afrikanischen Frauen tragen. Diese kaufen jedes Jahr ein oder zwei neue Stoffe der letzten Mode und nähen sich daraus die Kleidung: Rock, Oberteil und Turban aus denselben bunten Motiven.

Abends haben wir das rein zufällige Vergnügen, Amadou & Miriam live spielen zu sehen: ein mittlerweile weltbekanntes blindes Musikerpaar, das mit ihrem Afro-Blues in den letzten Jahren ganz Afrika und darüberhinaus aufgemischt hat (sie haben die offizielle Hymne der WM 2006 gemeinsam mit Herbert Grönemeyer aufgenommen). Wir finden uns wieder in einem Getümmel von tanzenden Afrikanern, die die Lieder mitsingen und ihre Stars auf der Bühne verehren; ganz anders jedoch als bei uns hat man das Gefühl, dass diese nicht angehimmelt werden, sondern einfach Teil des Publikums sind und sich unter die Menschenmassen mischen. Ein toller Abschluss für uns!

Zurück bei Victor in unserem Heim nehmen wir schon hier Abschied von Afrika: Ich versuche, so gut es geht, unsere Rucksäcke von der roten Erde zu befreien, kaufe noch eine paar Souvenirs in der kolonialistisch angehauchten Altstadt von Bamako und auf dem Weg zum Flughafen in tiefer Nacht kommt mir wieder der Song von Dr. Alban in den Sinn: ‚Hello Africa! Tell me how you´re doin´. Wie geht es einem Afrika, gebeutelt von Armut, Missständen und jetzt sogar schrecklichem Krieg? Natürlich geht es ihnen nicht gut, aber die Afrikaner haben ein völlig anderes Lebensverständnis als wir verwöhnten Westler: sie beklagen sich nicht über ihre Missstände, sondern machen immer und überall das Beste aus ihrer Situation. Noch nie habe ich ein Volk getroffen, das so lebensbejahend und fröhlich wie die Afrikaner ist und dies soll mir, sollte uns, eine Lehre fürs Leben sein.

(Alle Fotos in diesem Artikel sind von Silvia Giachello, Fotografin und meine Reisebegleitung.)

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