BOLOGNA
Eine ganz normale italienische Stadt.

 

Es ist nicht meine Mission andere Menschen zu überzeugen, aber wenn ich all denen einen Rat geben darf, die Italien schätzen und lieben, dann kann ich nur sagen: Besucht Bologna! Es lohnt sich wirklich.

Ich lebe seit mehr als zwanzig Jahren in Bologna und seit eh und je lade ich meine Freunde, Familie und Bekannten dazu ein, Bologna einen Besuch abzustatten. Eine Stadt, die einen Besuch wert ist. Die Antwort, die ich hierauf bekomme ist jedoch oftmals sehr ähnlich: „An Bologna bin ich immer vorbeigezogen, auf dem Weg in die Toskana, ans Meer oder gen Süden.“

Bologna hat all das, was eine typisch italienische Stadt ausmacht ohne dabei jedoch abgenützt zu wirken vom Tourismus, der ja leider in so vielen schönen Orten Italiens die Oberhand gewonnen hat. Schuld hieran haben unter anderem die Italiener selber, die es überhaupt erst zulassen, dass sich solch irrwitzige Zustände abspielen können (siehe Venedig, die Strände von Rimini oder so manch eingedeutschte Orte in der Toskana), aber dies ist ein anderes Thema, das ich hier nicht abhandeln möchte.

Was macht eine authentisch italienische Stadt aus? Und was macht Bologna so sympathisch, dass wir von der Autobahn abfahren, sogar anhalten, unsere Reise in die lang ersehnten Ferien unterbrechen, uns ein kleines Hotel nehmen und die emilianische Stadt erkunden?

Es ist ihre Einfachheit, ihre Normalität! Die Stadt gehört immer noch den Bolognesern, die sie aus tiefstem Herzen lieben, die sie benutzen, die sich in ihr vergnügen, die sie essen, die sie trinken und all dies inmitten des historischen Stadtkerns. Die Bolognesen sind Genussmenschen, sie lieben das schöne Leben, in dieser Kategorie sind sie echte Weltklasse! Wenn wir beim Schlendern durch die Stadt einen Platz oder eine kleine Gasse durchstreifen, dann reicht es, die Stadtbürger zu beobachten, ihre Geschäftigkeit zu verfolgen und hiermit in eine Welt einzutauchen, die uns die versteckten Eigenschaften der Stadt zeigen wird. Lassen wir uns von ihnen leiten, nehmen wir ein bisschen an ihrem Alltagsleben teil, um eine Welt kennenzulernen, die uns ein bisschen exotisch erscheint.

Die Geschichte Bolognas ähnelt der vieler italienischer Städte: Große Familien haben über die Stadt gewaltet, hier waren es hauptsächlich die Pepolis und die Bentivoglios. Sie haben Kriege gegeneinander geführt, Frieden geschlossen, über die Kirche geherrscht; das Interessante jedoch in Bologna ist, dass die Machtkriege dieser Familien bis heute Spuren im Stadtbild hinterlassen haben. Tatsächlich zeigt die Stadt auch heute noch mit großem Stolz ihre Türme. Es waren einmal über 180 davon, ein Prestigesymbol der Familien, die es sich leisten konnten diese erbauen zu lassen um damit ihre Macht und ihren Reichtum zu demonstrieren, welche sich durch die Höhe der Türme kennzeichneten. Heute stehen noch circa zwanzig davon und die beiden berühmtesten, und folgerichtig die Wahrzeichen Bolognas, sind die Torre degli Asinelli und Torre Garisenda. Schief und krumm stehen sie da und haben sich im Laufe der Jahre immer mehr einander zugeneigt. Einem Volksmärchen nach wird behauptet, dass die beiden Sprösslinge der verfeindeten Familien sich verliebten und die Türme so anfingen gegeneinander zu kippen, im Zeichen der Liebe. Schon Dante Alighieri hat die Türme in der Göttlichen Komödie erwähnt. Wenn man den Torre Degli Asinelli besteigt, kann man bei gutem Wetter bis zu den Alpen und der Adria sehen.

Bologna ist weltweit jedoch für eine vollkommen andere und durchaus bemerkenswerte Eigenschaft bekannt: sie rühmt sich damit, Sitz der ältesten Universität der westlichen Welt zu sein. Gegründet 1088, am Anfang wurde das Römische Gesetzbuch gelehrt. Der gute Ruf der Universität hat dann schnell dazu geführt, dass viele illustre Studierende und Gäste aus der ganzen Welt nach Bologna kamen. Das Archiginnasio, antiker Sitz der Uni seit 1563, kann noch heute einen Treppenaufgang mit über 6.000 Wappen vorzeigen, die größte Darbietung der Heroldskunst weltweit. Hier stoßen wir auch auf das wunderschöne Teatro Anatomico von 1637, ein hölzernes Amphitheater, in dem der Anatomieunterricht stattfand und die Leichen auf dem kühlen Marmortisch im Mittelpunkt des Raumes unter den neugierigen Blicken der Studenten, die in den Rängen oberhalb saßen und beobachten durften, seziert wurden.

Heute zählt die Uni 33 Fachbereiche, 11 Schulen und 77.000 Studenten. Diese Zahlen machen aus Bologna eine solch junge, lebensfrohe Stadt, in der sich typisch bolognesische Merkmale mit denen anderer Teile Italiens vermischen. Jeder Student, der von außerhalb kommt, und es sind viele Studenten, die hierherkommen, denn Bologna hat immer noch den Ruf, eine gute Universität und, nicht zu unterschätzen, ein ausgeprägtes Studentenleben, wahrscheinlich das lebhafteste Italiens zu haben; jeder Erstsemestler bringt also ein Stückchen Heimat mit und das Aufeinandertreffen der bolognesischen Mentalität auf andere Kulturen ist oftmals eigenartig komisch. Während der vielen Partys in privaten Wohnungen finden die ersten Kontakte zwischen diesen beiden unterschiedlichen Wesen statt, anfangs schauen sie sich noch skeptisch an, der bolognesische Zwanzigjährige hat noch seine Schulfreunde mit denen er „ballotta“ macht (um die Häuser zieht), aber dann gehen sie aufeinander zu, finden es interessant eine fremde Welt kennenzulernen und so bilden sich Freundschaften, die ohne die Uni nicht zu Stande gekommen wären. Typische Wörter wie „Socmel“ werden nicht sofort verstanden, was wegen ihrer Vulgarität (Lutsch ihn mir! was für Wow! steht) vielleicht auch besser ist, dringen dann aber auch in das Vokabular eines apulischen jungen Mannes ein, der einige Jahre in dieser Stadt verbringen wird und somit fangen die Mentalitäten an, sich unmerklich zu vermischen. Diese Phänomene kann man am besten in den Gegenden beobachten, in denen die Studenten selber verkehren, Mittelpunkt ist hierfür die Via del Pratello. Hier treffen verschiedene und weit entfernte Welten aufeinander, die in Frieden miteinander leben und sich amüsieren.

Straße des Vergnügens, der Lokale, der Restaurants, schon seit dem Mittelalter ihrer Genussfreudigkeit und Wollust wegen bekannt; auch so mancher große Poet, der in Bologna Halt machte, vertrieb sich hier mit den Freudenmädchen einer paar Stunden. Dann, in den Siebzigern, wurden die Straße und die Wohnungen besetzt und noch heute ist die Via del Pratello berühmt und berüchtigt dafür ein bisschen Underground zu sein, und dies ist, das versichere ich Euch, ein Unikat in einem doch eher schicken und elegantem Italien, fighetto (Schickimicki) eben, wie man in Bologna so schön sagt. Natürlich überwiegt hier ein politisch linkes Flair, was im Übrigen ein weiteres Markenzeichen Bolognas ist. Tagsüber präsentiert sich diese Straße ruhig und gemütlich, die Anwohner stehen an der Bar und trinken ihren Espresso, die alten Herren spielen Karten im Barazzo, schon morgens bei einem Gläschen Frizzantino (sprudelnder Weißwein, gezapft, kein Prosecco!), die Bauarbeiter und Kreativen gehen bei Fantoni zum typisch bolognesischen Mittagessen zu mäßigen Preisen; dann, am Nachmittag, fängt die Straße an sich zu füllen, zum frühen Aperitif geht man ins Muntenye, wo man sich bei einem Bier die untergehende Sonne ins Gesicht scheinen lässt. Je später der Abend wird, desto belebter wird die Straße, die Restaurants, allesamt mit erschwinglichen Preisen öffnen ihre Holzterrassen und die Lokale füllen sich. Hier kennt man sich und es ist ein schönes Schauspiel, sich einfach an einen Tisch zu setzen und das geschäftige Treiben zu beobachten. Man kann hier bis spät in die Nacht essen, u.a. in den vielen leckeren und verschiedenen Take-Aways. Diese Straße ist ein Muss für alle Nachtschwärmer.

Kommen wir jedoch zurück zu den wesentlichen Merkmalen Bolognas. Es liegt ein gängiger Spruch in aller Munde: Bologna, die Gelehrte, die Fette und die Rote. Die Gelehrte haben wir bereits behandelt. Die Fette wegen Ihrer guten Küche. Und was für eine! Ihr könnt Euch ja gar nicht vorstellen, wie gut man hier ißt! Wenn wir mal ehrlich sind, kommt fast alles was wir an italienischem Essen kennen aus Bologna. Lasagne, Tortellini, Tagliatelle al Ragù (weltweit unter dem Namen Spaghetti alla Bolognese bekannt), Mortadella. Und den Bolognesern schmeckt es. Die Restaurants sind unzählig viele, nicht alle sind gut, aber ich kann Euch durch meine langjährige Erfahrung ein paar Tipps geben, wo man noch die originale Küche kosten kann und/oder eine gute Küche, mit anderen italienischen Einflüssen angereichert.

In einer kleinen mittelalterlichen Gasse, früher sicherlich eine der ärmsten Gegenden Bolognas, finden wir heute di Osteria Bottega di Franco, ein schlichtes Lokal mit der wahrscheinlich besten und originalgetreuesten Küche Bolognas, neu interpretiert durch einen ehemals sternegekrönten Chefkoch. Franco selber serviert seine Delikatessen, unter denen man unbedingt den Culatello (emilianische Schinkenart), die Tortellini in brodo (in Brühe) und die Zuppa Inglese (sehr süße Nachspeise) probieren sollte. Hohe aber wohlverdiente Preise. Slowfood.

Wer am Geld jedoch nicht an Qualität sparen und eine echte traditionelle Erfahrung erleben möchte, der gehe zum Ristorante da Bertino’. Hier befindet man sich in einem Ambiente, das in den Fünfzigerjahren stehen geblieben zu sein scheint, die Kellner tragen noch eine weiße Jacke und servieren den Bollito (gekochtes Fleisch) vom Wägelchen, nach Herzenslust kann man sich die Fleischsorten aussuchen, sowie sich vom reichbestückten Süßigkeiten-Wagen bedienen. Mittelpunkt dieses Spektakels ist jedoch die Signora, die zwischen den Tischen hin und her tänzelt, hin und wieder jemanden begrüßt oder sich nach dem Befinden ihrer Gäste erkundigt und an gewisse Filme von Fellini erinnert. Fragt sie aber bitte niemals nach Kürbis-Tortelloni, einer ausgezeichneten emilianischen Speise, die jedoch aus Mantua und eben nicht aus Bologna stammt. In diesem Lokal bekommt man ausschließlich die authentisch bolognesische Küche serviert, nicht einen Kilometer entfernen wir uns von diesem territorialen Terrain!

Wer dagegen Fisch mag, der sollte zu Pane e Panelle gehen, ein sizilianisches Restaurant in einem unkomplizierten Ambiente mit einem romantischen Innenhof. Hier ißt man grundsätzlich gut und zu normalen Preisen, der frittierte Fischteller ist eine wahrhafte Köstlichkeit! Auch die Nudelgerichte sind sehr gut und mit den Desserts geben sie sich besondere Mühe.

Was Ihr auf keinen Fall missen solltet ist die historische Osteria del Sole, denn Bologna ist nicht nur stolze Repräsentantin der ältesten Universität, sondern auch der ältesten Weinstube Italiens. Gegründet wurde sie 1465 und ist seitdem der Gastronomie stets treu geblieben! Wieviele Geschichten könnten diese Mauern erzählen? Hier kommt man her zum Trinken und bringt sein Mittagessen selbst mit. Nichts leichter als dies, denn in den angrenzenden Gassen befinden wir uns mitten im Mercato di Mezzo, in der Via delle Pescherie Vecchie, wo wir uns an den zur Schau gestellten Delikatessen nicht nur mit unseren Blicken laben können. Berge von großen Brocken Parmesankäse schichten sich in den Schaufenstern aufeinander, ganze Schinken baumeln von den Decken, Tortellini, die auf feinste Weise und in Handarbeit von den kleinen Fingern der Signoras gefaltet wurden, liegen hier aus, Obst und Gemüse von herrlich bunten Farben quellen aus den kleinen Marktgeschäften, geschützt durch dunkelrote Sonnenplanen, Fischverkäufer, die stolz ihren Tagesfang zur Schau stellen und… viel Lärm, Radau, viele Wörter, Gelächter, Gesumme und Geschnatter.

Kurzum hier finden wir mit Leichtigkeit unser Mittagessen, nehmen auf den alten Holzbänken der Osteria del Sole Platz und teilen die großen Tafeln mit unseren Tischgenossen. Bänke und Tische sind von anno dazumal, sowie der Rest der Einrichtung. Nichts ist hier verändert worden, beim Hereinkommen wird man von einer weingeschwängerten Wolke umarmt. Die Bilder an den Wänden sind dieselben seit eh und je und hängen für ewig an ihrem Platz, denn heute steht die Osteria unter Denkmalschutz und auch das Klo, das mich an gewisse meiner Reisen in den tiefsten Orient erinnert, wird so bleiben wie es ist. Aber genau das ist es ja was diese Osteria so schön macht! Geöffnet ist sie von 10 bis 22 Uhr und man trifft hier eigentlich nur Bolognesen. Die einen trinken gemütlich ein Glas Wein am Tresen, die anderen spielen eine Partie Karten oder kommen her um mit Freunden ein gemeinsames Mittagessen einzunehmen. Hier wird sich geduzt, egal aus welchem gesellschaftlichen Milieu man stammt und welchen Alters man ist: der Metzger von nebenan mit seinem blutverschmierten Kittel spielt Karten mit dem in Krawatte und hochglanzpolierten Schuhen gehüllten Grafen. Der Einsatz ist stets der Trunk, immer Wein, oft auch Champagner. Und da wären wir beim Thema: hier werden ausschließlich Weine, Schaumweine und eine einzige Marke Bier ausgeschenkt! Selbstbedienung und viel Lärm beherrschen diesen Ort und es wird eine Erfahrung sein, die Euch in einer Zeitreise um Jahrhunderte zurückkatapultieren wird.

Bologna, die Stadt der Arkaden, eine weitere wichtige Eigenschaft der Stadt, die u.a. ein Mentalitätsmerkmal der Bologneser widerspiegelt (Bologna, weltweit die Stadt mit den meisten Arkaden, 38 km zählen sie alleine im alten Stadtkern). Da Bologna unter einem arg unsympathischen Wetter leidet, es ist oft feucht, im Winter sowie im Sommer, mit kalten Regentagen oder schwülen Sonnentagen, haben sich die Baumeister dementsprechend die Arkaden ausgedacht. Diese beschützen vor Regen und vor Sonne und sind ein idealer Ort um sich mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn ein Pläuschchen zu gönnen; und wer weiß, vielleicht haben hier schon die großen Gelehrten der Renaissance Ihre Kundgebungen abgehalten. Man kann Bologna zu Fuß erkunden und stets unter Arkaden laufen und dies nicht nur im Stadtkern sondern auch außerhalb der alten Stadtmauern.

Wenn man die antiken Stadttore verlässt, laufen die Prachtwerke dieser wunderbaren Architektur weiter und wir können ihre Schönheit im Aufstieg zum Wallfahrtsort Santuario di San Luca bestaunen, der auf einem Hügel oberhalb der Stadt thront. Hierzu müssen wir wissen, dass Bologna auf der Grenze zwischen der Poebene und dem Apennin liegt. Das historische Stadtzentrum ist unten in der Ebene angelegt und so manche Privatvilla und historische Bauten befinden sich auf den Hügeln, die sich mitten in der Stadt erheben und von denen man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat. Nach San Luca kommt man am besten zu Fuß, unter dem Arkadengang, dem Längsten der Welt! Er wurde damals als Schutz vor Regen für die Wallfahrer gebaut, misst 666 Arkaden und ist 3,8 Kilometer lang. Wenn Ihr an einem schönen sonnigen Tag Lust habt, hierauf zu steigen, dann werdet Ihr durch fantastische Blicke auf die Stadt und einen wunderbaren Ausblick auf den Apennin bis hin zu den Alpen belohnt.

Das Schmuckstück unserer Stadt befindet sich jedoch mitten im Zentrum, in der Piazza Santo Stefano. Allein der Platz ist ein Meisterwerk der mittelalterlichen Architektur, dreieckig und einladend zum Verweilen. Am unteren Ende des Platzes befindet sich die Basilica delle Sette Chiese. Sie ist eine religiöse Kultstätte mit Wurzeln im 8. Jhdt. Beim Durchlaufen dieser ineinander verschachtelten Gebäude kommt man zu ihrem Herzstück, zur ältesten der sieben Bauten, einer Kirche aus der romanischen Zeit; schlicht und dunkel ist es hier und eine spirituelle Atmosphäre umgibt uns. Es ist interessant, die Aneinanderreihung dieser sehr unterschiedlichen Kirchen der Basilika zu betrachten und es ist schön, den Kreuzgang, der noch heute von Mönchen benutzt wird, auf sich wirken zu lassen und zu guter letzt kann man die Hauptfassade, die aus einem Märchenbuch erstiegen zu sein scheint, sitzend im Café oder auf den Mäuerchen, vom Platz aus genießen.

Ein beliebter Zeitvertreib in Bologna ist es, sich einfach von seinem Bauchgefühl leiten zu lassen und lässig durch die Straßen zu schlendern. Von einer mit Arkaden ausgestatteten Straße zur nächsten, über kleine Gassen hin zu Plätzen und Gässchen, die keinen Namen tragen (auch das gibt es hier in einer Stadt, die – als Einzige in ganz Italien – keinen Namen für ihren großen Platz hat und diesen einfach Hauptplatz Piazza Maggiore nennt). Und wenn wir uns verlaufen, dann ist das auch nicht schlimm, denn in Bologna können wir noch richtig schöne urige oder schön renovierte Osterien finden, in denen man ein gutes Glas Wein trinken kann. Eigentlich an jeder Straßenecke, hier aber meine Favoriten: Osteria Da Mario in der Via San Felice oder Bar Mercato hinter dem Mercato delle Erbe in Via Belvedere; oder wir verweilen am Tresen einer der vielen Vinotheken, wo man eigentlich Flaschenwein kauft, jedoch auch ein Gläschen im Vorbeiziehen bekommt (Enoteca Antica Drogheria Calzolari in Via Petroni, Enoteca Italiana in Via Marsala, Vineria Favalli in Piazza Santo Stefano). Das Schöne an Bologna ist genau dies: kein bestimmtes Ziel haben, bummeln in den arkadengeschmückten Straßen und sich einfach treiben lassen von der Lust und Laune des Moments. Hier finden wir unzählig viele kuriose Geschäfte aus denen wir ein Souvenir mit nach Hause nehmen können, die elegante Antica Aguzzeria dei Cavalli, die edle Produkte für die Küche verkauft, gleich neben dem Fischhändler mitten in der Stadt, die Drogheria della Pioggia, wo man noch lose Bonbons aus der großen Blechbüchse bekommt oder, und hierzu braucht es etwas Mut, das Haushaltswarengeschäft Montanari in der Via Marconi 20, wo man staunend vor den aufgebauten Regalen in einem Labyrinth der unfassbar vielen Kleinigkeiten steht.

Bologna ist jedoch auch die Stadt der Mode und des Shoppings. Die großen Marken der Haut Couture befinden sich in der Piazza Cavour, die Ketten der Bekleidungsindustrie, die man leider mittlerweile in ganz Europa findet, in der Via dell´Indipendenza und auf dem wöchentlichen Markt in der Piazza VIII Agosto, La Piazzola, kauft man Kleidung und Schuhe, sowie auf dem gleich daneben gelegenen Montagnola-Markt Second-Hand-Kleidung, beide Märkte jeweils Freitags und Samstags.

Zum Schluss habe ich noch einen Geheimtipp, eine Erfahrung, die von ästhetischer und spiritueller Natur ist. Die Kirche Santa Maria della Vita in der Via delle Clavature beherbergt einen außergewöhnlichen Schatz: die Statuen aus Terrakotta von Nicolò dell´Arca, ein Meisterwerk der Kunstgeschichte. Seine Beweinung Christi ist eine Erzählung des Leidens und nie habe ich eine Darstellung der Gefühle in der Bildhauerei so ergreifend erlebt wie in diesem einzigartigen Kunstwerk.

Bologna, nach der Gelehrten, der Fetten nun auch die Rote: seit 1945 bis vor einigen Jahren ist diese durchgängig von Parteien aus dem linken Lager verwaltet worden mit einer oftmals überwältigenden Mehrheit der Wählerstimmen. Bologna, die Kommunistische Stadt Italiens, hier wo die Partisanen gegen den Krieg zogen und wo die Studentenrevolten tragische Kämpfe in den Siebzigern ausfochten. Rot ist sie jedoch v.a. ihrer Häuserfarbe wegen, so typisch für die Emilia und hier in der Hauptstadt erreicht die Farbpracht ihren Höhepunkt. Die verschiedenen Schattierungen des Rots gehen von Gelb bis Ocker, über Orange bis hin zu Bordeaux und verleihen der Stadt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, das uns einhüllt und liebevoll aufnimmt.

Lasst Euch wiegen in den Armen dieser schönen Stadt.

Gute Reise nach Bulaggna.

 

 

Weitere praktische Informationen:

Kultur:

andare Basilica di San Francesco

Die sicherlich wichtigste Kirche Bolognas, auch wenn nicht die (wesentlich unscheinbarerer) Kathedrale und eine der größten gotischen Mittelalterbauten in ganz Europa. 

Basilica di San Domenico

kleine Skulpturen von Michelangelo. Unbedingt den Holzchor hinter dem Altar ansehen und durch den Kreuzgang im Garten spazieren

MamBo

Museo di Arte Moderna – Modernes Kunstmuseum

Lumiere

Umwerfend gutes Programmkino mit großer Auswahl an Filmen auch in O-Ton

Teatro Comunale

Theater, Oper, Konzerte

Menomale

Seitengasse von Piazza Santo Stefano: ein Ort für kulturelle Events, Workshops und gute Partys.

 

Restaurants:

Trattoria da Maro

Sizilianische Küche, Fisch, kleines und familiäres Ambiente

Scaccomatto

Raffinierte Küche, nette Inhaber

La Teresina

Eleganter Innenhof, Fisch

Osteria dal Nonno

In den Hügeln, auf der Terrasse wird eine bolognesische Spezialität serviert: Crescentine e Tigelle (in Fett gebackenes Brot) mit Aufschnitt und Käse.

Osteria del Borgonuovo

Wenn es mal spät wird, und ihr noch Hunger habt. (Via Borgonuovo, 18, gleich hinter der Piazza Santo Stefano)

Galliera 49 

Indiskutabel das beste Eis Bolognas

 

Aperitif und Kneipen: 

Via del Pratello

Mercato delle Erbe (Via Belvedere)

Mercato di Mezzo (Via delle Pescherie Vecchie)

Camera con Vista (Pizza Santo Stefano)

drinnen schicke Bar, draußen tolle Lage direkt auf der Piazza.

L’Infedele (Via Gerusalemme)

kleine gemütliche Kneipe.

L´Emporio  (Via Saragozza)

winziger Delikatessenladen mit Wein-Ausschank.

 

Einkaufen:

Ferramenta Castaldini

Eisenwarenhandlung und Haushaltswaren, zum Stöbern

Atti

Brot und frische Nudeln

La Baita/Vecchia Malga

Bologneser Delikatessen

Caffè Bazar

Wein, Hochprozentiges, Süßigkeiten

Freak Andò

Antiquitäten und Design

 

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