AZOREN
Zwischen Irland & Indiana Jones.
Ein Wanderbericht.

 

 

9 große Inseln, 1.400 Kilometer von Europa entfernt und letzte Station vor Amerika: hier treffen drei tektonische Platten aufeinander und haben Vulkane aus der Erdoberfläche sprießen lassen. Teilweise sind sie bewachsen, manche hin und wieder auch aktiv! Pico ist der größte Vulkan der Inseln: 2.351 Meter ragt er aus dem tiefblauen Ozean heraus.

Durch Steinmäuerchen fein säuberlich voneinander abgetrennte Weiden mit scharzweissgefleckten grasenden Kühen in sattem Grün lassen mich für einen Moment an unserer Position mitten im Atlantik zweifeln: Nein, wir sind nicht in Irland. denn nur wenige Höhenmeter aufsteigend befinde ich mich plötzlich in einem überdimensionalen tropischen Regenwald mit Schlingpflanzen, die an Indiana Jones erinnern. Ja, das sind die Azoren, so abwechslungsreich, dass man einfach nicht genug von ihnen bekommen kann.

Die Azoren haben ihren Namen vom „açor“, dem Habicht (es waren eigentlich Bussarde, die hier gesichtet und dann fälschlicherweise für Habichte gehalten wurden).

Die Bewohner der Inseln leben hauptsächlich von Vieh-und Milchwirtschaft und Käseherstellung, abgesehen vom (vorwiegend amerikanischen) Tourismus.

Wir haben hier eine geführte Wandertour im April organisiert, gespickt mit Wohlfühlprogramm in den Thermen und kulinarischen Höhepunkte. Hier ein paar Tipps.

Für die Wanderungen haben wir den Rother-Führer benutzt; ich gebe hier die Nummern der einzelnen Touren an.

 

São Miguel.

Wir kommen in der Hauptstadt der Azoren, Ponta Delgada an, gelegen auf ihrer größten Insel: São Miguel. Wenn man wenig Zeit hat, dann kann man auf dieser Insel bleiben und die gesamte Vielfalt der Azoren auch nur hier erleben: Kultur-und Wanderparadies, wunderschöne Natur und kulinarische sowie kulturelle Höhepunkte.

Ponta Delgada ist die modernste Stadt der Inseln, die weltoffenste; verliert hierdurch jedoch nicht an Charme. Der Hauptplatz ist geschmückt mit Renaissance-Häusern und die Hauptkirche ist ein Paradebeispiel für den wunderschönen Emanuel-Stil aus dem 16. Jhdt., der sich auf den gesamten Azoren verbreitet hat. Die Altstadt lädt zum Bummeln und Schlemmen ein. Besonders zu empfehlen: Das Restaurant A Tasca, sehr gute fantasiereiche Küche, beliebt auch bei Einheimischen, immer voll und laut, exzellenter Service und überraschend niedrige Preise. Die Karte wird in Form von einer Zeitung gereicht. Frischen Fisch kann man gut im Mercado do Peixe essen, direkt an der Uferpromenade gelegen. Vorsicht: viel Knoblauch! Und ein Muss ist die kleine Tapasbar Taberna Açor: zum Auftakt in den Abend ein gutes Glas Wein und köstliche Kleinigkeiten.

Einzige Kneipe, die bis spät geöffnet hat und vorwiegend von Azorianern besucht wird ist die Cantinho Dos Anjos.

Gut übernachten in der Hauptstadt kann man im Hotel do Colégio, ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes Gebäude mit Gewölben und einem Pool im Innenhof. Wer es persönlicher mag, der buche sich bei der Senhora im Casa Vitoriana ein: das traumhaft schöne Haus mit ein paar Zimmern und Wohnungen ist im viktorianischem Stileingerichtet. Besonders zu empfehlen der prunkvolle Vitoria Room im Obergeschoss oder das kleine, im Garten abseits gelegene Casa Jardim.

Furnas, kleine Stadt im Landesinneren im Osten der Insel ist schon seit dem 17. Jhdt. bekannt für seine Heilquellen. Kaufleute und Großgrundbesitzer kamen hierher um ihr Rheuma und Übergewicht zu kurieren. Schöne Villen sind entstanden und ein herrlicher Naturpark mit botanischem Garten und dem größten Thermalschwimmbecken Europas, das sich aus einer 30 Grad warmen Quelle speist. Jedes Hotel hat hier zudem seine eigene Quelle, ein schöner moderner Bau ist das Furnas Boutique Hotel mitten im Grün.

Zum Thermen gehen die Einheimischen gerne ins Poça da Dona Beija, ein sehr schön hergerichtetes Bad unter tropischer Vegetation, bestückt mit kleinen Wasserfällen. Einfach herrlich bei einem Regentag! Sehr gut und mit Stil kann man im Hotelrestaurant À Terra Furnas essen. Die landestypische Vulkanküche isst man dagegen im ganz einfachen und sehr gut besuchten Restaurant Tony´s. Hier wird der berühmte „Cozido“ gereicht, ein Eintopf, der Fleisch und Gemüse enthält und in den nicht weit entfernen heißen Quellen über Stunden im Boden versenkt gegart wird. 

Wanderungen auf São Miguel:

Eine tolle Tageswanderung (die man auch abkürzen kann) ist von Lagoa das Furnas nach Povoaçao (Rother Nr. 14, 15, 16). Der See ist pittoresk gelegen in einem Kessel von kleinen Bergen (hier steht ein zu mietendes Ferienhaus mit traumhafter Lage: Casa dos Bascos). Nach einem Rundgang kommt man zu einem kurzen Anstieg durch einen Tropenwald, der dann auf saftigen grünen Weiden mit Blick über den See und die Berge endet. Zurück zum Ufer geht es an den Schwefelquellen vorbei, in denen von den Einheimischen gekocht wird. Von hier sind es nur ein paar hundert Meter nach FurnasHier kann man die Tour unterbrechen oder weiterlaufen, hinab durch verwunschene Wälder bis nach Ribeira Quente. Achtung: Hier gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit, dafür ein gutes Restaurant: das Ponta do Garajau. Von hier muss man noch zwei Stunden den wunderschönen Küstenweg nach Povoaçao laufen. Hier steht ein empfehlenswertes Hotel: Albergo Do Mar mit Meerblick und ein gutes Restaurant in der Stadt: Jardim. Gesamtlaufzeit: circa 9 Stunden.

 

Eine suggestive Wanderung ist die von Agua d´Alto zum Lago do Fogo (Rother Nr. 13). Unten in Agua d´Alto steht ein großer Hotelkomplex in bester Lage: das Pestana Bahia Praia (ich habe es selbst nicht ausprobiert, es war gerade im Umbau, bietet sich jedoch als schöne Basis für Tagesausflüge an). Erst durch Weiden, dann durch Wälder entlang der Levadas, der Bewässerungskanäle, geht es hoch hinauf über eine zunehmend kargere Landschaft bis hin zum Kratersee, der eingekesselt in den umliegenden ehemaligen Vulkanwänden liegt. Rückzu kann man absteigen nach Vila Franca, ein schmuckes kleines Städtchen und ein kühles Bier nahe des Doms genießen. Gesamtlaufzeit circa 5 Stunden.

Die absolute Top-Tour ist die Umwanderung der Kraterseen der Sete Cidades (Rother Nr. 8). Zwei Kraterseen, die durch einen kleine Straße voneinander getrennt werden, mit niedlichen Dörfern am Ufer und wunderbarer Vegetation. Der grüne „Lagoa Verde“ formt mit dem blauen „Lagoa Azul“ eine Acht und bietet von den Kraterrändern aus ein unbeschreiblich schönes Bild. Kompletter Rundgang circa 5,30 Stunden.  

Danach bietet es sich an, zu den natürlichen Pools bei Ferrari an der wilden Westküste zu fahren und ein Bad im eiskalten Atlantik zu nehmen, der hier von heißen Quellen aufgewärmt wird. Ein echtes Erlebnis! Ein Besuch ist auch der Leuchtturm von Ferreira wert.

Eine kleine schöne Wanderung an der Südostküste geht von Faial de Terra nach Agua Retorta oder umgekehrt. Höhepunkt ist der beeindruckende Wasserfall „Salto do Prego“ und die herrlichen Ausblicke aufs Meer. Ganz einfach, dafür aber sehr gut kann man in Faial frischen Fisch in der Snack Bar Faialense essen.


 

São Jorge.

Wir fliegen auf die mittigen Inseln, nach São Jorge, dem Wanderparadies (man kann in den Sommermonaten auch mit der Fähre fahren, was allerdings sehr viel zeitaufwendiger und nicht wesentlich preiswerter ist). Eine lange und schmale Insel mit einem hohen Bergkamm, der sie durchzieht und abwechslungsreicher Vegetation erwartet uns hier.

Die Hauptstadt Velas hat nichts besonderes und wir beschließen, rasch ein Auto zu mieten und frei zu sein für Übernachtungen (z. Bsp. ein einfaches Guest House, das mit einem liebevoll zubereitetem Frühstück punktet ist das Urzelina Guest Rooms in Urzelina, wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernt).

Ein wunderbares Restaurant ist das Fornos de Lava, auf der Strecke zwischen Flughafen und Velas, mit einem traumhaften Blick auf den Vulkan Pico, einer romantischen Atmosphäre und sehr gutem Essen. Die Besitzer sind freundlich und haben uns hier einen unvergesslichen Abend bereitet.

Wanderungen auf São Jorge:

Die wahrscheinlich schönste Wanderung der Insel haben wir in strömendem Regen unternommen und hiervon kann ich nur abraten: von der Serra do Topo zur Fajã de Sāo João (Rother Nr.49 und 51). Es geht steil durch den Märchenwald hinunter bis zum Meer, eigentlich traumhaft aber bei Nässe ist man großer Rutschgefahr ausgesetzt. Bis nach Fajã das Bodes haben wir es geschafft und uns von einer netten Dame wieder hoch zu unserem Auto bringen lassen (die Kleidung und Schuhe sind erst am Strand nach ein paar Tagen wieder getrocknet).

Am nächsten Tag sind wir die Strecke bei Sonnenschein jedoch von der anderen Seit angegangen: Fajã de Sāo João, unten am Meer gelegen ist wunderschön und von hier führt eine lange Küstenwanderung bis nach Fajã das Bodas. Hier unten in Sāo Joã gibt es eine schöne urige Taberna in der man sich für die getane Arbeit mit Wein und Oliven belohnen kann. Laufzeit Serra do Topo zur Fajã dos Cubres circa 3.30 Stunden.

Ein kleiner adretter Ort zum Besichtigen mit herzlichen Menschen, die abgeschieden in einer (noch) „Heilen-Welt“ leben ist Topo. Hier kann man den leckeren  Kuhmilchkäse kosten, der das Markenzeichen der Insel ist.

 

Faial.

Wir setzen mit der Fähre über nach Faial, eine kleine Vulkaninsel, die als Seglerparadies gilt. Hier treffen sich Weltenbummler im Hafen von Horta, von dem man freie Sicht auf die Nachbarinsel mit seinem eindrucksvollen Pico hat. Das Ambiente ist hier überraschenderweise jung und international, am Besten geht man einfach zu `Peter`, der Hafenkneipe, in der immer der Bär los ist, abends zu Livemusik und preiswerten Gin Tonics.

Wer mit Blick auf den Vulkan übernachten möchte: das Resort Faial hat Balkons direkt überm Hafen mit toller Aussicht.

Tapas und Wein in einfacher Taverne mit schönem Flair und Terrasse am Strand gibt es bei der Taberna do Pim. Ein ganz spezielles Restaurant ist das Canto da Doca, hier kann man in maritimem Ambiente auf heißen Platten sein Essen selber kochen.

Wanderungen auf Faial:

Eine abwechslungsreiche und landschaftlich wunderschöne Wanderung ist über die Vulkankrater bis zur Westspitze der Insel und zurück nach Varaduoro (Rother Nr. 42). Wir lassen uns mit einem Taxi nach Capelo bringen (20€). Erst läuft man um den wild bewachsenen Kraterrand herum um dann durch Wald und Wiesen abzusteigen in eine mondähnliche Landschaft. Hier, am Ende der Insel ist in den Fünfziger Jahren durch den letzten Vulkanausbruchein ganzer Landstrich hinzugekommen (der alte Leuchtturm ist modern als Denkmal und Aussichtsstelle umgestaltet worden). An der Küste geht es für circa eine Stunde bis nach Varaduoro, wo man in der Kneipe Vista do Baia bei Frank & Mary, Vater und Tochter amerikanischen Ursprungs, sehr rustikal Fisch essen kann, von Meerblick begleitet. Im Restaurant ganz unkompliziert nach einem Rücktransport nach Horta fragen. Gesamtlaufzeit circa 5 Stunden.

Eine kleine Wanderung in der Stadt Horta sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen: auf der anderen Seite des Hafens liegt der Badestrand in einer schönen Bucht mit dem Miraduoro auf dem Gipfel des kleinen Berges, der die Bucht abgrenzt. Tolle Aussicht von hier oben! Gesamtlaufzeit circa 2.30 Stunden.

 

Terceira.

Wir fliegen zurück nach São Miguel mit Stopp auf Terceira, wo wir Zeit genug haben hier einen Ausflug in die Hauptstadt Angra do Heroísmo (Bucht der Heldenhaftigkeit) zu machen. Diese ist die wohl interessanteste Stadt der Azoren, mit ihren blauangemalten Häusern, schönen Barockkirchen und toller Lage direkt in der Bucht am Meer. Sie ist die älteste Stadt der Inseln und war eine wichtige Station für den Transatlantik-und Ostasienhandel. Die Hauptstadt Terceiras gehört seit 1983 zum Weltkulturerbe der UNESCO, nachdem sie 1980 von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Ein Stopp lohnt sich hier unbedingt!

 

2 Comments
  • Johanna Meyer
    Posted at 20:17h, 03 März Antworten

    Toller Bericht, vielen Dank für diese tollen Einblicke. Nächstes Jahr fliegen wir dort mit unserem Sohn hin.
    Liebste Grüße aus Essen
    Wir denken an die Zeit auf Lipari❤️
    Johanna

    • Katharina
      Posted at 10:57h, 15 März Antworten

      Danke Johanna. War schön mit Euch und auf hoffentlich bald mal wieder. Katharina

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